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Unsere Projektreise durch Afrika und Asien

An der Grenze in Poipet wird alles gehandelt – auch Kinder

17. April 2008

Goutte d’Eau – effektive Hilfe für Straßenkinder und Opfer des Kinderhandels

Bericht aus Poipet 

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Noch bis vor wenigen Jahren war der kambodschanische Grenzort Poipet ein kleines, unbedeutendes Nest, das kaum jemand kannte. Doch dann kamen die Spielkasinos, die aus Poipet binnen kurzer Zeit ein Eldorado für Glücksspieler, Touristen, thailändische Geschäftsleute und Händler machten. Aus allen Teilen des Landes strömten die Menschen herbei, in der Hoffnung, Arbeit zu finden und ein besseres Leben führen zu können. Die meisten von ihnen wurden bitter enttäuscht. Die Slumgebiete der Stadt wachsen von Tag zu Tag, die Armut ist gewaltig und viele Menschen kämpfen ums Überleben.  
 

Aufgrund der extremen Armut sind alle Familienmitglieder gezwungen zu arbeiten und Geld nach Hause zu bringen – auch die Kinder. Sie sammeln Müll, schleppen Holzkarren mit Koffern, Lebensmitteln oder Haushaltswaren über die Grenze, betteln oder werden als Schmuggler eingesetzt. Die Kinder von Poipet sind in Gefahr, denn mittlerweile gilt die Stadt als eine Drehscheibe des Menschenhandels in Südostasien.  
 

Vor allem kambodschanische und vietnamesische Kinder werden über die Grenze nach Thailand verschleppt. Dort sind die Kinder tagtäglich Gewalt und Misshandlungen ausgesetzt. Pädophile Touristen dürfen sich für wenig Geld an ihnen vergnügen. Nur jene Kinder, die von der thailändischen Polizei aufgegriffen werden, haben eine Chance, in ihre Heimat zurückzukommen. Da viele Kinder jedoch bereits im jungen Alter verschleppt werden, haben sie oftmals keine Erinnerungen mehr, woher sie stammen.  
 

Trotz der lauernden Gefahren der Menschenhändler und kriminellen Banden sind viele Familien darauf angewiesen, dass ihre Kinder an der Grenze arbeiten und Geld verdienen. Über 70 Prozent aller Kinder an der Grenze in Poipet sind nie zur Schule gegangen oder haben diese nach kurzer Zeit abgebrochen. Die Schulausbildung der Kinder bleibt angesichts der Not der Menschen meist auf der Strecke. Dies gilt auch für die meisten Familien von Kbal Spean, einem der größten Slumgebiete von Poipet, in dem auch der zwölfjährige Vuthy mit seiner Mutter und seinen drei Geschwistern lebt. Vor zehn Jahren kam die Familie aus der Provinzstadt Battambang nach Poipet in der Hoffnung auf gutbezahlte Arbeit und ein besseres Leben. Wie auch die meisten anderen Familien, die nach Poipet ziehen, landete die alleinstehende Mutter mit ihren Kindern in den Slums der Grenzstadt. Heute wohnen sie in einer einfachen aus Bambus und Plastikplanen gebauten Hütte, die von Müll und Dreck umgeben ist. Während der Regenzeit gleicht das Slum einer einzigen Kloake.  
 

Um Geld für die Familie zu verdienen, arbeitet Vuthy mit seinen Geschwistern an der Grenze als Lastenträger. Tag für Tag schleppen sie in der sengenden Hitze die schweren Holzkarren mit Gütern beladen über die Grenze. Am Ende des Tages haben sie dafür knapp einen Euro verdient.  

Die Sozialarbeiter von Goutte d’Eau kennen die Schwierigkeiten und Nöte der Familien, die in den Armenvierteln Poipets wohnen nur zu gut. Zweimal am Tag gehen sie durch die Slums und an die Grenze. Sie besuchen Familien, deren Kinder durch Goutte d’Eau unterstützt werden und halten vor allem auch Ausschau nach Kindern, die auf der Straße herumlungern und die stark gefährdet sind, verschleppt zu werden.  
 

Die 1999 in Poipet gegründete Organisation Goutte d’Eau hat ein ausgeklügeltes und praxisorientiertes, mehrstufiges Modell zur Rettung, Stärkung und Unterstützung von Kindern entwickelt, die verschleppt und missbraucht wurden oder schutzlos auf der Straße leben.  
 

goutte-deau-poipet.jpgDie Organisation betreibt nahe der Grenze ein Drop-In Centre, in dem Straßenkinder Schutz finden. Von sieben Uhr morgens bis neun Uhr abends kommen rund 60 Kinder täglich ins Drop-In Centre. Ihre Eltern arbeiten als Tagelöhner in Thailand und haben keine Zeit, sich um ihre Schützlinge zu kümmern. Auf der Straße wären diese Kinder hilflos den kriminellen Banden und Schleppern ausgeliefert. Mit spielerischen und lerntechnischen Elementen werden die Kinder im Drop-In Centre von Goutte d’Eau unterrichtet und zweimal täglich mit einer warmen Mahlzeit verpflegt. Abends, wenn die Eltern von der Arbeit aus Thailand zurückkehren, gehen die meisten Kinder wieder nach Hause. Nur einige wenige, die kein Zuhause haben, dürfen im Drop-In Centre übernachten.  
 

wurde-zuvor-verschleppt-lebt-heute-bei-goutte-deau.jpgEtwas außerhalb von Poipet betreibt Goutte d’Eau ein Kinderschutzzentrum mit zahlreichen Einrichtungen. Kinder, die bereits für mindestens sechs Wochen regelmäßig an den Programmen des Drop-In Centres teilgenommen haben, können in der Schule des Zentrums am Unterricht teilnehmen. Hierbei handelt es sich um eine Vorschule, in der zurzeit 276 Kinder auf die Aufnahme in staatliche Schulen vorbereitet werden.  
 

Im Reception Home werden Kinder aufgenommen, die zuvor nach Thailand verschleppt und von der Polizei nach Kambodscha zurückgebracht wurden. Die 45 Kinder im Alter von 6-13 Jahren werden von Hausmüttern betreut. „Auf diese Kinder müssen wir besonders aufpassen“, erklärt Yann Grandin, der zuständige Projektkoordinator. „Schon mehrfach sind Schlepper gekommen, die sich als Eltern ausgegeben haben und die die Kinder angeblich nach Hause holen wollten.“ Die Kinder bleiben im Schutz der Organisation, bis jeder einzelne Verschleppungsfall geklärt ist.  
 

Im Rehabilitation Home des Zentrums werden drogenabhängige Straßenkinder für jeweils sechs Monate aufgenommen. Ziel der Einrichtung ist es, dass die Kinder von den Drogen loskommen und für ihr Leben eine neue Perspektive erhalten. Während der sechs Monate nehmen die Kinder an professionellen Theater-, Tanz-, Akrobatikworkshops teil. Sie kreieren ein eigenes Theaterstück, für das sie sämtliche Kostüme, Masken sowie Bühnenelemente selber akrobatikkurse-bei-goutte-deau-poipet.jpgherstellen müssen. Das Hauptziel ist, dass die Kinder durch eigene Kraft etwas erreichen, auf das sie stolz sein können.  

„Zum Abschluss des Kurses zieht die Gruppe auf das Land, um in abgelegenen Dörfern mit ihrem Theaterstück auf die vielseitigen Gefahren der Kinder an der Grenze aufmerksam zu machen“, erklärt Yann Grandin. Die Vorführungen sind für alle beteiligten Kinder von enormen Vorteil. Die Kinder in den Dörfern erfahren von den Problemen der Straßenkinder, die ihrerseits durch ihre Aufführungen und den großen Applaus Respekt und Anerkennung erhalten. „Das erste Mal in ihrem Leben dürfen sie erfahren, dass Menschen zu ihnen aufschauen“, erläutert der Projektkoordinator.  

Kinder, die erfolgreich am Rehabilitationsprogramm von Goutte d’Eau teilgenommen haben, jedoch keine Familien haben, zu denen sie zurückkehren können, werden im Residential Home aufgenommen. Sie alle besuchen die öffentliche Schule und werden so lange im Schutz der Organisation bleiben, bis sie verlässlich auf eigenen Füßen stehen können. 

Anmerkung: Sämtliche Namen der Kinder sind geändert. 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:
Damnok Toek (Goutte d’Eau) Poipet
Kontakt: Yann Grandin
Adresse: Samarkum, Palelai Village, Poipet, Banteay Meanchey Province, Cambodia
Telefon: +855 54 394104
Mobil: +855 12 988520
e-Mail: yann@gouttedeau.org oder poipet@gouttedeau.org
Website: www.gouttedeau.org  

Wenn Armut und AIDS zusammentreffen

17. April 2008

Im Müll aufgewachsen – Kinder vom Smoky Mountain

Bericht aus Phnom Penh

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Ein Müllberg bis zum Horizont. Beißender Gestank vermischt sich mit dem schwarzen Qualm brennender Abfälle. Die Mittagssonne steht senkrecht über der zentralen Mülldeponie von Phnom Penh, die von den Menschen „Smoky Mountain“ getauft wurde. Schon von weit her kann man den rauchenden Berg erkennen. Hunderte Familien arbeiten Tag und Nacht auf der Mülldeponie. Die meisten von ihnen leben in den Slums rund um Smoky Mountain. Es gibt kein Wasser, keinen Strom und keine Toiletten. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal. Kleinkinder krabbeln durch den Müll – sie kennen es nicht anders. Hier werden sie groß.

Langsam und behutsam schreitet Roeung Sarom durch den Unrat. Mit jedem Schritt vertreibt er Unmengen von Fliegen, die in kleinen schwarzen Wolken davonschwirren. In seiner Hand hält der Zehnjährige einen Eisenhaken, mit dem er die frisch angelieferten Müllbeutel aufreißt und durchwühlt. Alles wird untersucht und aussortiert - Plastik, Eisen, Aluminium, Glas, Kleidung und Essensreste bis hin zu Mangokernen, die gesammelt werden, um sie als Saatgut weiterzuverkaufen. Roeung ist eines der vielen Kinder, die tagtäglich auf dem Smoky Mountain arbeiten. Unter ihnen herrscht ein regelrechter Konkurrenzkampf und jeder hofft, dass er die besten Abfälle ergattern kann. „Letzte Woche hat jemand ein Goldkettchen gefunden und konnte dieses für viel Geld verkaufen,“ berichtet der kleine Roeung.

Roeung wohnt mit seiner Mutter und seinen drei Geschwistern in einer kleinen, mit Palmblättern gedeckten Holzhütte am Rande von Smoky Mountain. Seinen Vater hat er nie kennen gelernt. Dieser verstarb an AIDS als Roeung zwei Monate alt war. Auch seine Mutter Arth und er selbst sind HIV-positiv.

Regelmäßig wird die Familie von Amon Chorn, einer Sozialarbeiterin des Don Bosco Children Funds, besucht. Aufmerksam wurde sie auf die Familie, als Arth schwer krank war und für Wochen ihre Kinder nicht mehr ernähren konnte. „Arth war in einem schlimmen Zustand und brauchte dringend medizinische Hilfe“, erläutert die Sozialarbeiterin. Der Don Bosco Children Fund unterstützt seitdem die Familie und ermöglicht den drei Kindern die Schulausbildung. Einmal im Monat wird die Familie zusätzlich mit einem Verpflegungspaket mit wichtigen Grundnahrungsmitteln sowie mit Seife, Zahnpasta und Waschmittel versorgt, da das wenige Geld, das der Familie zur Verfügung steht, gerade einmal für Reis und ein wenig Gemüse reicht.

kinder-auf-smoky-mountain-der-mulldeponie-von-phnom-penh.jpgSeit zwei Jahren erhält die Mutter antiretrovirale Medikamente in einem staatlichen Krankenhaus. Auch wenn sich Arths Gesundheitszustand seitdem deutlich verbessert hat, ist sie heute immer noch zu schwach, um den ganzen Tag auf der Mülldeponie zu arbeiten. Die 43-jährige Mutter ist sehr dankbar, dass ihr jüngster Sohn Roeung bisher noch nicht auf die AIDS-Medikamente angewiesen ist. Die Mitarbeiter des Don Bosco Children Funds sorgen dafür, dass Roeung regelmäßig medizinisch untersucht wird. „Es ist wichtig, dass wir Roeungs Blut alle sechs Monate überprüfen“, erklärt die Sozialarbeiterin. „Sollten sich seine Werte verschlechtern, werden wir dafür sorgen, dass auch Roeung die AIDS-Medikamente bekommt.“

Die Herausforderungen der Sozialarbeiter im Don Bosco Children Fund sind vielseitig. Tagtäglich besuchen sie die Familien der von ihnen betreuten Kinder. In Gesprächen mit den Eltern versuchen sie, diese zu ermutigen, ihre Kinder auch weiterhin zur Schule zu schicken. „Die finanzielle Not der Familien führt immer wieder dazu, dass Kinder nach wenigen Jahren die Schule abbrechen und arbeiten gehen, um die wirtschaftliche Existenz ihrer Familien zu gewährleisten“, erläutert Amon Chorn. „Um dies zu verhindern, unterstützen wir die Familien bei sämtlichen Kosten, die mit der Schulausbildung ihrer Kinder verbunden sind.“ Mithilfe des Don Bosco Children Funds wird über 5.000 Kindern in Kambodscha eine Schulausbildung ermöglicht.

Neben der schulischen Unterstützung stehen die Sozialarbeiter des Don Bosco Projekts den Familien als Ratgeber in allen Lebenslagen zur Verfügung. „Die Menschen teilen ihre Probleme und Nöte mit uns. Oftmals sind wir die einzigen Vertrauten, die sie haben. Themen wie AIDS, Empfängnisverhütung, Hygiene und soziale Probleme innerhalb der Familie werden gemeinsam besprochen“, erklärt Amon Chorn.ruangs-familie.jpgUm der steigenden Not durch HIV/AIDS in Kambodscha zu begegnen, wurde im April 2001 ein spezielles Betreuungsprogramm für HIV-infizierte und von AIDS betroffene Kinder ins Leben gerufen. Trotz eines leichten Rückgangs der Neuinfektionen liegt Kambodscha mit einer HIV-Infektionsrate von 1,6 Prozent immer noch an der Spitze der asiatischen Länder und so werden mittlerweile in diesem Programm allein in der Region Phnom Penh bereits 352 betroffene Kinder betreut.

Eines dieser Kinder ist Roeung. Obwohl er neben der Mülldeponie aufgewachsen ist und einen Großteil seines Lebens dort verbracht hat, ist er fest entschlossen, eines Tages Smoky Mountain zu verlassen. Mit der Schulausbildung durch den Don Bosco Children Fund hat er die besten Voraussetzungen dazu.

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Don Bosco Children Fund

Kontakt: Father Leo Ochoa (Direktor)

Adresse: P.O. Box 47, Phnom Penh, Cambodia

Telefon: +855 23 219680

Mobil: +855 16 926726

e-Mail: leo8asdb@yahoo.com

Website: www.donboscokhmer.org

Kidshelp Kambodscha e.V. – Hilfe aus tiefster Überzeugung

17. April 2008

Preak Dambong, Kambodscha

 

familie-die-von-kidshelp-kambodscha-unterstutzt-wird.jpg„Die Freundlichkeit der Menschen hat mich nach Kambodscha zurückgebracht. Ohne sie hätte ich damals nicht überlebt!“ Als einer der wenigen Ausländer hat der Belgier Roger Valkenborghs hautnah miterleben müssen, wie die Menschen in Kambodscha zwischen 1975 und 1979 unter der Gewaltherrschaft der Roten Khmer gelitten haben und mit welcher Brutalität und Grausamkeit gemordet wurde.

Als UN-Sonderbeauftragter wurde er nach Kambodscha geschickt, als die Roten Khmer im April 1975 in Phnom Penh einmarschierten. Roger Valkenborghs wurde verhaftet und in das Hochsicherheitsgefängnis Tuol Sleng (S21) gebracht, wo er miterleben musste, wie zwei ihm unterstellte belgische Offiziere hingerichtet wurden. „Wenige Minuten vor der Hinrichtung durfte ich kurz mit den beiden sprechen“, erinnert sich Roger Valkenborghs. „Ich habe ihnen damals versprochen, dass ich sie eines Tages hier raushole.“

Roger Valkenborghs ist einer der ganz wenigen, die die Gefangenschaft in Tuol Sleng überlebt haben. Das grausame Morden spielte sich Tag für Tag vor seinen Augen ab, Folter hat er an seinem eigenen Körper erlebt. Durch Kontakte und glückliche Umstände gelang ihm 1978 die Flucht aus dem Gefängnis. „Damals wog ich nur noch 42 kg und war zu schwach, selber zu gehen. Die Menschen mussten mich stützen. Ohne sie hätte ich es nie geschafft“, beschreibt Roger Valkenborghs seine Flucht nach Vietnam. „Nie werde ich vergessen, wie mir die Menschen geholfen haben. Sie haben mir Unterkunft, Essen und Schutz gewährt und ihr Leben für mich aufs Spiel gesetzt.“

24 Jahre später, kurz nach seiner Pensionierung, löst Roger Valkenborghs sein Versprechen ein und kehrt im Jahr 2002 nach Kambodscha zurück. Mit der Genehmigung der Behörden lässt er auf den Killing Fields die Überreste der beiden belgischen Offiziere ausgraben und diese in Absprache mit ihren Familien auf einem US Soldatenfriedhof in Vietnam beisetzen.

Zurück in Kambodscha kommen die Erinnerungen an die Zeit seiner Gefangenschaft hoch und er spürt erneut die starke Verbundenheit mit den Menschen, die sein Leben gerettet haben. Gleichzeitig ist er betroffen von der Not der Menschen, die auch Jahrzehnte später immer noch existiert. „Ich habe gesehen, wie die Menschen auf dem Land leben müssen, wie arm sie sind.“

roger-valkenborghs-mit-kindern-im-programm-von-kidshelp-kambodscha.jpgEntschlossen diesen Menschen zu helfen, gründet Roger Valkenborghs 2005 in Bergisch Gladbach, wo er zuletzt gelebt hat, „Kidshelp Kambodscha e.V.“. Der Verein konzentriert seine Arbeit auf die beiden Dörfer Preak Dambong und Preak Tamerk, rund 40 km nördlich von Phnom Penh, wo er in den letzten drei Jahren vieles bewegen konnte. Mit einem Patenschaftsprogramm werden derzeit knapp 300 Kinder von verarmten Familien auf dem Land mit einer Schulausbildung unterstützt. Durch den Bau von Brunnen werden die Bewohner mit Wasser versorgt. Roger Valkenborghs, der seit 2007 in Kambodscha lebt, hilft den Bewohnern, wo er nur kann und so kommen die Menschen mit all ihren Nöten zu ihm.

Eine der wichtigsten Aktivitäten von Kidshelp Kambodscha e.V. ist die Präventionsarbeit gegen den Kinderhandel. „Regelmäßig kommen Schlepper ins Dorf und bieten für Kinder Arbeitsplätze in Phnom Penh an. Leider fallen immer noch viele Familien auf die falschen Versprechungen herein und geben nichtsahnend ihre Kinder in die Hände der Menschenhändler“, erklärt Roger Valkenborghs. Zusammen mit seinen Mitarbeitern geht er von Haus zu Haus und klärt die Familien über die falschen Versprechungen der Schlepper und die Gefahren des Kinderhandels auf.

Wenn man durch die beiden Dörfer geht, in denen Kidshelp Kambodscha aktiv ist, erkennt man, was der Verein alles erreicht hat. Man spürt, dass Roger Valkenborghs mit seinem Herzen dabei ist und in seinem Engagement für die Menschen in Kambodscha Erfüllung gefunden hat.

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Kidshelp Kambodscha e.V.

Adresse: Davoser Klause 24, 51063 Köln

Telefon: 0221 662016

e-Mail: info@kidshelp-kambodscha.de 

Website: www.kidshelp-kambodscha.de

Als Kindersoldat hat er sie selbst verlegt – heute befreit Aki Ra sein Land von den unzähligen Minen

17. April 2008

Siem Riep, Kambodscha

 

achtung-minen.jpgAki Ra – ein außergewöhnlicher Mensch, eine außergewöhnliche Geschichte.

Seinen kranken Vater ermordeten die Soldaten des Diktators Pol Pot. Weil er für einen Kranken seine Suppe zu schnell löffelte, hielten sie ihn für einen Simulanten. Die Mutter, die im Dorf die Exkremente einsammeln musste, wurde verschleppt und kam nie zurück. Sein bester Freund, ausgezehrt vom Hunger, schlich sich in den Schweinestall und aß das Tierfutter. Zur Strafe haben sie ihn erschlagen.

Mit fünf Jahren wurde Aki Ra von den Roten Khmer in ein Dschungelcamp verschleppt, das für viele Jahre seine Heimat wurde. Aki Ra lernte Bomben zu bauen und Minen zu legen – zu schießen, hassen, töten und zu überleben. Die Wahl war simpel: mitmachen oder sterben. „Die Minen waren meine Freunde, denn sie beschützten uns vor den Angriffen der feindlichen Truppen“, beschreibt Aki Ra. In seiner Kindheit hat er tausende Minen verlegt.

Die Einheit, in der Aki Ra Dienst tat, wurde 1983 von vietnamesischen Truppen aufgerieben, er selbst wurde gefangen genommen. Wenig später kämpfte er auf Seiten der Vietnamesen gegen seine früheren Gefährten. Erst mit dem Friedensvertrag von 1991 änderte sich sein Leben. Rekrutiert von den Schutztruppen der UN begann Aki Ra die Landminen zu entschärfen, die in den jahrzehntelangen Kämpfen in seinem Land gelegt wurden. Seit dem Abzug der UN-Truppen macht Aki Ra alleine weiter. Mit bloßen Händen legt er die Minen frei. Er weiß genau, wie man sie entschärft. Bis heute hat Aki Ra schätzungsweise 50.000 Minen entschärft.

So wie ihn der Krieg zum Mörder machte, so macht ihn der Frieden zum Helfer. Täter und Opfer haben in Kambodscha oft ein und dasselbe Gesicht. Jede Mine, die Aki Ra ausgräbt, trägt ein Stück zur Versöhnung mit seiner eigenen Vergangenheit als Kindersoldat bei.

Die Minen zu räumen kostet nicht nur Nerven, sondern auch Geld. Wie viel, wird klar, wenn man die kambodschanischen mit den 1.100 Minen an der innerdeutschen Grenze vergleicht. Diese zu entschärfen kostete die Bundesregierung 125 Millionen Euro. Die Räumung dauerte fünf Jahre – trotz moderner Suchgeräte und Lageskizzen, die Aki Ra nicht zur Verfügung stehen.

In seinem 1999 eröffneten Landminenmuseum in der Nähe von Angkor Wat stellt er all die Minen und Kriegsutensilien aus, die er über die Jahre gesammelt hat. Das Museum ist Mahnmal, Warnung und Wiedergutmachung zugleich - für die unzähligen Minenopfer in seinem Land und für Millionen von Minen, die es noch zu entschärfen gilt.

Für durch Landminen verletzte und verstümmelte Kinder hat Aki Ra auf dem Gelände seines Museums ein Haus gebaut, in dem verwaiste oder von der Familie ausgestoßene Kinder ein neues Zuhause finden.

Aki Ra ist heute verheiratet, hat zwei Kinder und lebt zurückgezogen in der Nähe des Museums. Entschlossen folgt er seinem Ziel, sein Land und sein Volk von den Landminen zu befreien.

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Cambodia Landmine Museum Relief Fund

Adresse: Siem Riep, Cambodia
e-Mail: info@cambodialandminemuseum.org
Website:
www.cambodialandminemuseum.org

Das Leben nach dem Unfall

19. März 2008

Help Society Nepal kümmert sich um Verbrennungsopfer

Bericht aus Kathmandu, Nepal

 

home-for-burned-victims-1.jpgAm Abend des 30. März 2006 nahm das Leben der 28-jährigen Radha Shrestha eine bittere Wende. Durch eine defekte Gasleitung in der Küche gab es eine heftige Explosion, bei der Radha und ihre Mutter schwerste Brandverletzungen erlitten.

 

Nachbarn brachten die beiden verletzten Frauen sofort in ein Krankenhaus. Die Schmerzen waren schier unerträglich, das Gesicht von Radha war verkohlt und bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Es dauerte über zwölf Stunden bis sich endlich ein Arzt um die schwerverletzten Frauen kümmerte. Die Familie bangte um das Leben der Beiden. Das staatliche Krankenhaus, in das Radha und ihre Mutter zunächst gebracht wurden, war nicht auf Brandopfer spezialisiert. Doch ein besseres Krankenhaus konnte sich die Familie nicht leisten.

 

Aufgrund ihrer Arbeitsstelle im Trekkers Holiday Inn, einem kleinen Hotel in Kathmandu, hatte Radha Kontakte zu Freunden in Deutschland und der Schweiz. Dank einer umgehenden e-Mail Unterstützungsaktion konnte innerhalb von zwei Tagen das nötige Geld für die Verlegung in eine Spezialklinik für Brandopfer und die ersten Operationen gesammelt werden. Dennoch kam für Radhas Mutter jede Hilfe zu spät. Sie starb fünf Tage nach dem Unfall, da ihre Nieren die Giftstoffe der Verbrennungen nicht mehr verarbeiten konnten. Radha kämpfte weiter und überlebte.

 

Nach sechs Wochen, in denen sie mehrfach operiert wurde, durfte Radha das Krankenhaus verlassen. Ihr Leben und ihren Alltag musste sie komplett umstellen. In ihr Zuhause, das durch den Unfall schwer zerstört wurde, konnte und wollte sie nicht mehr zurückkehren. Sie musste sich an die Blicke und Kommentare der Menschen gewöhnen, die sich nach ihr umdrehten, wenn sie an ihr vorbei gingen. Kinder bekamen plötzlich Angst und rannten weg, als sie Radha sahen. Die kleinen Dinge des Alltags wurden auf einmal zu einer enormen Belastung. Da auch Radhas Hände bei der Explosion starke Verbrennungen erlitten hatten, konnte sie ihre Finger zunächst kaum bewegen. Doch mit großer Geduld und eisernem Willen versuchte sie Tag für Tag ihre alten Fähigkeiten zurückzuerlangen. Tägliche Physiotherapie half ihr, dass sie nach und nach wieder etwas greifen konnte und schon nach einigen Monaten war sie bereits wieder in der Lage zu schreiben.

 

geeta-and-her-daughter-karuna.jpgHeute nach zwei Jahren steht Radha wieder mit beiden Füßen im Leben. Ihre alte Stelle im Trekkers Holiday Inn durfte sie behalten und ist sehr dankbar dafür. Mittlerweile lebt sie eigenständig in einem kleinen Haus in Kathmandu und kann viele Arbeiten wieder selbständig erledigen. Auch die Blicke der Menschen scheut sie schon lange nicht mehr. „Menschen mit Verbrennungen verstecken sich meist in ihren Häusern und fühlen sich von der Gesellschaft ausgestoßen,“ erklärt Radha.

 

Aufgrund billiger und qualitativ schlecht verarbeiteter Gas- und Kerosinkocher sind die meisten Verbrennungsopfer in Nepal Frauen, da diese traditionell für die Zubereitung der Mahl-zeiten zuständig sind. Viele von ihnen werden von ihren Familien nicht mehr akzeptiert, da Unglücksereignisse und Unfälle in bestimmten Bevölkerungsschichten und Ethnien Nepals bis heute als Folgen eines bösen Fluchs betrachtet werden.

 

Mit dem Ziel, anderen Frauen zu helfen, die nicht wie sie selbst, Unterstützung erfahren durften, gründete Radha die kleine Organisation „Help Society Nepal“, in der Frauen und Kinder mit Verbrennungen aufgenommen und betreut werden. „Da ich selbst erlebt habe, wie allein und ausgestoßen man sich fühlt, möchte ich Menschen mit demselben Schicksal helfen“, erläutert die Gründerin.

 

Regelmäßig geht sie ins Krankenhaus und besucht Verbrennungsopfer. Sie steht ihnen bei, gibt ihnen Kraft und berät die Opfer sowie deren Familien. Dazu hat sie die Leitung eines kleinen Hostels übernommen, das Frauen und Kinder aufnimmt, die infolge ihrer Verbrennungen von ihren Familien ausgestoßen wurden. Einen großen Teil ihrer Freizeit widmet Radha den Frauen und Kindern im Hostel. „Ich möchte ihnen Mut geben und sie soweit bringen, dass sie eines Tages stark genug sind, sich wieder frei in der Öffentlichkeit zu bewegen und nicht mehr länger das Gefühl haben, sich verstecken zu müssen.“

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Help Society Nepal

Kontakt: Radha Shrestha

Telefon: +977-1-6203403

Mobil: +977-9841204390

e-Mail: shrestha3@gmail.com

Karuna Bhawan – Haus des Mitgefühls

19. März 2008

Kathmandu, Nepal

 

karuna-bhawan_feb-2008_05.jpg„Kein Kind soll diskriminiert oder ausgestoßen werden, nur weil es krank ist!“

 

Dies ist der Leitsatz von Karuna Bhawan. Die Sozialorganisation wurde 1998 in Nepal durch Sister Deepa, eine katholische Ordensschwester aus Kerala, gegründet und kümmert sich vorwiegend um HIV/AIDS kranke Frauen und Kinder.

 

Ursprünglich galt die Betreuung vor allem HIV-infizierten Frauen, die aus der Prostitution in Indien in ihr Heimatland zurückgekommen sind. „Kaum jemand wollte sich diesen Frauen annehmen“, schildert Sister Deepa.

 

In den letzten Jahren ist vor allem auch die Zahl junger Frauen gestiegen, die in Kathmandu selbst durch Prostitution ihren Lebensunterhalt verdienen. Die meisten von ihnen sind infolge des Bürgerkrieges in die Hauptstadt geflohen. Viele wurden zwangsrekrutiert und missbraucht. Sie hofften in Kathmandu Schutz und Arbeit zu finden. „Während sich viele Organisationen allein auf die Befreiung und Rückführung nepalesischer Frauen aus indischen Bordellen konzentrieren, wird die Not und Ausweglosigkeit junger Frauen, die in Nepal selbst der Prostitution nachgehen, vielfach verkannt,“ erklärt Sister Deepa.

 

So hat Karuna Bhawan für HIV-infizierte und an AIDS erkrankte Frauen und deren Kinder ein Umfeld geschaffen, in dem die Betroffenen in Würde leben können und akzeptiert werden. Neben einem Kinderhaus mit 22 benachteiligten Mädchen betreibt Karuna Bhawan ein Hospiz für 37 Frauen und Kinder in Godavari, am südlichen Rand des Kathmandutals. Sämtliche Kinder besuchen die Schule und wachsen in einem behüteten Umfeld auf.

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Karuna Bhawan

Adresse: G.P.O. Box 8975, EPC 1975, Lalitpur, Nepal

Kontakt: Sister Deepa

Telefon: +977 1 5591598

e-Mail: sabs@info.com.np

Als Kind am Bahnhof ausgesetzt und heute auf dem Weg zu einer Software Entwicklerin

19. März 2008

Kolkata, Indien

 

uddami-3.jpgDie 23-jährige Guria Gowala sitzt vor dem Computer und löst eine knifflige Aufgabe. Bei dieser geht es nicht etwa darum, die Grundkenntnisse eines Computers zu erlernen. Die zierliche junge Frau macht gerade eine Ausbildung zur Software Entwicklerin.

 

Als Guria sechs Jahre alt war, hat sie ihre Eltern verloren. Sie wurde zu der Familie ihres Onkels gebracht, bei der sie nur kurze Zeit ein Zuhause fand. Nur ein Jahr später schickte der Onkel das siebenjährige Mädchen nach Kolkata, wo es als Haushaltshilfe bei einer Familie arbeiten musste. Guria zog sich zurück und weigerte sich zu arbeiten. Die neue Familie machte kurzen Prozess und setzte die kleine Guria in Howrah Station, dem größten Bahnhof von Kolkata, aus.

 

„Ich kann mich noch gut erinnern, wie allein ich mich in der Menschenmenge am Bahnhof fühlte“, beschreibt Guria. „Ich weinte und keiner schien mich zu beachten. Auf einmal kam ein Mädchen auf mich zu, das mir zuhörte und mich tröstete. Sie selbst lebte auf der Straße und nahm mich mit zu einer Übernachtungsstätte für obdachlose Mädchen, wo sie ihre Nächte verbrachte.“

 

Nach drei Wochen in dieser Notunterkunft wurde sie in ein staatliches Kinderheim gebracht. Dort fand Guria endlich ein Zuhause, in dem sie bleiben und aufwachsen konnte. Sie bekam die Chance, zur Schule zu gehen und nutzte diese.

 

Die beiden Amerikaner Alison und Bryan Saracena, die mit dem Kinderheim, in dem Guria aufgewachsen ist, zusammenarbeiteten, wurden auf das Mädchen aufmerksam. Beide leben seit Jahren in Kolkata und haben das Projekt Uddami ins Leben gerufen.

 

Uddami wurde im Jahr 1999 als Computertrainingszentrum für Straßenkinder gegründet und richtet sich an junge Menschen, die aus armen Verhältnissen stammen. Das Ziel der Organisation ist, den Jugendlichen durch eine qualifizierte Berufsausbildung die realistische Chance auf eine gute Stelle auf dem indischen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. „Nach Bangelore kommen nun auch immer mehr IT-Firmen nach West Bengalen und lassen sich vor allem im Umfeld von Kolkata nieder. Qualifizierte Computerfachleute werden händeringend gesucht“, erläutert Bryan Saracena, der selbst diplomierter Programmierer und Software Entwickler ist.

 

In dem 10-monatigen Basistraining, das Uddami anbietet, werden die gängigsten Computerprogramme wie Microsoft Office und einige Grafik- und Datenbankprogramme unterrichtet sowie Grundkenntnisse der html Programmierung und Websitegestaltung vermittelt. „Es ist immer wieder erstaunlich, in welch kurzer Zeit gerade auch Kinder, die oftmals nur wenige Jahre eine Schule besucht haben, in der Lage sind, geschickt mit dem Computer umzugehen“, erklärt der Gründer der Organisation.

 

Die Idee von Uddami ist sehr erfolgreich. Bereits 125 Jugendliche haben das Computertraining mit Zertifikat bestanden. Knapp 75 Prozent aller Absolventen fanden unmittelbar nach ihrem Abschluss einen Arbeitsplatz. Einige von ihnen haben sich in speziellen Kursen weitergebildet und mittlerweile durchaus gute Positionen erreicht. „Im Laufe der letzten Jahre haben wir erkannt, wie wichtig es ist, dass die Jugendlichen nicht nur den Computer beherrschen, sondern auch über eine solide Schulausbildung verfügen. Gute Englischkenntnisse sind eine weitere wichtige Voraussetzung, um nach Abschluss des Computertrainings eine wirklich qualifizierte Arbeitsstelle zu finden“, so Bryan Saracena.

 

Daher arbeitet Uddami mit anderen Sozialorganisationen und Kinderheimen in Kolkata zusammen, in denen die Kinder auch die Möglichkeit auf eine Schulausbildung haben. So konnte auch Guria am Computertraining bei Uddami teilnehmen und wurde nach ihrem erfolgreichen Abschluss als Computerlehrerin in einer privaten Schule angestellt. Nebenher macht Guria eine Weiterbildung als Software Entwicklerin in einem anerkannten Computerinstitut. Wann immer sie Fragen hat, kommt sie in ihrer Freizeit zu Uddami zurück. Alison und Bryan Saracena freuen sich jedes Mal, wenn Guria kommt. „Es ist schön, dass wir auch über das Training hinaus mit den meisten Absolventen bis heute in Kontakt sind. Auf diese Weise können wir miterleben, was aus den Kindern wird. Einige von ihnen sind heute flinker am Computer als ich“, lacht Alison Saracena.

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

Uddami Software Services

Adresse: 158/4, Prince Anwar Shah Road - Kolkata 700 045 West Bengal, India

Kontakt: Alison Saracena

Telefon: +91 33 24221941

e-Mail: alison@uddamisoftwareservices.com 

Web: www.uddamisoftwareservices.com

Wenn AIDS die Kleinsten trifft

6. Januar 2008

Die AIDS Arbeit steht im Mittelpunkt von HOPE Cape Town

Kapstadt, Südafrika

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Im 7. Stock des „Tygerberg Hospital“, einem staatlichen Krankenhaus am Rande von Kapstadt, liegt die Ithemba Station, eine Station für AIDS und TB kranke Kinder, die durch das Projekt „HOPE Cape Town“ betreut werden. Ithemba bedeutet auf Xhosa, eine der weitverbreitetsten Stammessprachen Südafrikas, Hoffnung. Die Wände der Kinderstation sind mit bunten und freundlichen Motiven bemalt, Kinderzeichnungen schmücken die Räume, Spielsachen und Kuscheltiere sorgen dafür, dass sich die Kinder wohl fühlen. Auf der Ithemba Station liegen Freude und Leid, Leben und Tod hautnah beieinander.

 

Im Gang sind quietschende Kinderstimmen zu vernehmen. Ein kleines Mädchen rollt im Schlafanzug vergnügt auf einem Dreirad an Schwester Pauline vorbei. „Das Dreirad haben wir von Angela Merkel bekommen“, betont die Krankenschwester mit Stolz. Die Deutsche Bundeskanzlerin war im Oktober 2007 auf ihrer Südafrikareise in Kapstadt und hat das Projekt HOPE Cape Town besucht.

 

Schwester Pauline geht in jedes Krankenzimmer, an jedes Bettchen. 24 Kinder mit 24 traurigen Schicksalen. „Die Mütter bringen ihre Kinder leider oftmals viel zu spät zu uns“, erklärt Schwester Pauline und fügt hinzu: „Die meisten sind in einem kritischen Zustand und müssen zum Teil mehrere Monate auf der Station bleiben.“ Den Müttern, die Tag und Nacht am Bett ihres kranken Kindes verbringen, werden Matratzen, Kaffee, Tee und Sandwichs kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Krankenschwestern der Ithemba Station nutzen die Zeit, in der die Kinder stationär versorgt werden, um die Mütter über die Krankheit ihrer Kinder, die notwendigen Medikamente sowie über die Pflege der Kinder aufzuklären. Meist sind die Mütter selbst HIV-positiv, und daher ist eine intensive Beratung und Aufklärung über die Krankheit unerlässlich.

  

hope-cape-town-2.jpg„Der schwerste Moment für uns alle ist immer dann, wenn ein Kind stirbt“, erläutert Schwester Pauline. „Es ist schrecklich mitzuerleben, wenn wir eine Mutter ohne ihr Kind nach Hause schicken müssen. Können Sie sich vorstellen, wie schmerzvoll dies für eine Mutter sein muss?“

  

HOPE Cape Town

Die Ithemba Station wurde im Jahr 2001 als erstes Projekt von HOPE Cape Town ins Leben gerufen. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2007 wurden insgesamt 578 Kinder auf der Kinderstation betreut. Zusätzlich zur Ithemba Station betreibt HOPE Cape Town in 17 Township Kliniken in und um Kapstadt jeweils eine Abteilung für HIV/AIDS und Tuberkulose Patienten. „Neben der Verabreichung der überlebensnotwendigen Medikamente gegen Tuberkulose und AIDS, kommen auch Menschen zu uns in die Kliniken, die sich testen lassen möchten, deren Kinder erkrankt sind, die eine HIV/AIDS Beratung wünschen oder die von unserem Angebot freier Kondome für Männer und Frauen Gebrauch machen wollen“, erklärt Mariam Roelosfe, eine Community Health Workerin von HOPE Cape Town.

  

Mariam ist eine der 22 aktiven Community Health Worker, die die tragende Säule des Projekts bilden. Sie betreuen und beraten die Patienten in den Township Kliniken, machen Hausbesuche, verteilen Nahrungspakete an die Kranken und sind Ansprechpartner für die Kinder, Jugendlichen und Eltern der von HIV/AIDS betroffenen Familien. Sämtliche Community Health Worker werden mithilfe von HOPE Cape Town in einem sechsmonatigen Studium der Fernuniversität UNISA ausgebildet und mit gezielten Weiterbildungsprogrammen regelmäßig gefördert.

  

Die Arbeit in den Townships erfordert enorme Nervenstärke, Fingerspitzengefühl und Geduld. So arbeitet beispielsweise Community Health Worker Nathan Charles in einer Township Klinik in Valhalla Park, einer Siedlung von Farbigen am Rande von Kapstadt, die vollständig von der Drogenmafia und Straßenbanden kontrolliert wird.

  

„Pro Jahr werden rund 300.000 Menschen in den Townships durch die Einrichtungen und Programme von HOPE Cape Town erreicht“, erklärt Pfarrer Stefan Hippler, der Gründer und Leiter der Organisation. „Wir stampfen keine neuen Strukturen aus dem Boden, sondern nutzen die bereits vorhandenen und versuchen, diese zu optimieren und zu vernetzen“, erläutert Hippler einen der wichtigsten Grundsätze des Projekts. Mit diesem Modell können Verwaltungskosten auf ein Minimum beschränkt bleiben und Synergien systematisch genutzt werden.

  

Bereits im Jahr 2001 war HOPE Cape Town eine der ersten Institutionen in Südafrika, die noch vor dem Staat antiretrovirale Medikamente kostenfrei verteilte. Mit immer neuen Ideen versucht HOPE Cape Town der AIDS-Problematik von verschiedenen Seiten wirksam zu begegnen. So war HOPE Cape Town die erste Organisation, die bereits 2003 in einem Pilotprojekt versuchte, auch die traditionellen Heiler (Sangomas) aktiv in den Kampf gegen HIV/AIDS einzubinden. Denn rund 80% der schwarzen Südafrikaner suchen zunächst den traditionellen Heiler auf und gehen, erst wenn dieser nicht mehr helfen kann, zu Schulmedizinern.

  

friedhof.jpgMit HOPE Cape Town will Pfarrer Hippler die Menschen unterstützen, die ohne deren Hilfe nicht überleben würden. In Anbetracht der Tatsache, dass sich in Südafrika nach groben Schätzungen 2.000 Personen pro Tag mit HIV infizieren und ebenfalls pro Tag rund 1.000 Menschen an AIDS sterben, ist der mutige Seelsorger fest entschlossen, sich für die von HIV/AIDS Betroffenen einzusetzen und verfolgt dabei rigoros seinen Weg – auch wenn dieser in einigen Punkten an der Grundhaltung seiner Kirche vorbeiführt.

  

Pfarrer Stefan Hippler

stefan-hippler_b.jpgStefan Hippler. Sein Lebenslauf ist für einen Pfarrer sicherlich außergewöhnlich. Im Juli 1986 in Trier zum Priester geweiht, nimmt Hippler als aktiver Anhänger der Friedensbewegung kurze Zeit später an einer Sitzblockade des amerikanischen Atomwaffendepots in Hasselbach teil und wird verhaftet. 

In seiner Zeit als Jungpriester spürt er, dass er mehr Lebenserfahrung braucht, bevor er wirklich Seelsorger werden kann. Er nimmt eine fünfjährige Auszeit, arbeitet bei McDonald’s, auf einer Finca in Spanien, als Pflegehelfer auf einer Station für Krebspatienten im finalen Stadium, als Mitarbeiter Pax Christis in Flüchtlingslagern Kroatiens sowie im Sozialdienst am Frankfurter Flughafen für gestrandete Flüchtlinge und Asylbewerber. 

Seit 1997 leitet er als Auslandspfarrer die deutschsprachige Gemeinde in Kapstadt und gründete 2001 HOPE Cape Town. Seine Erfahrungen im Kampf gegen die AIDS Epidemie und die hiermit verbundenen Herausforderungen als katholischer Priester beschreibt er in seinem jüngst erschienenen Buch „Gott - AIDS - Afrika“, das er zusammen mit dem bekannten Afrika-Journalisten und Buchautor Bartholomäus Grill herausgegeben hat. 

Ziel seines Buches ist es nicht, die Katholische Kirche anzuklagen, sondern dazu beizutragen, dass sie eine humanere und seiner Überzeugung nach christlicherere Einstellung angesichts der AIDS Epidemie und des Massensterbens in Afrika entwickelt. Wortwörtlich schreibt er in seinem Buch: „Für jene Menschen, die sie strikt befolgen, kommt die katholische Sexualmoral einem Todesurteil gleich. Das gilt in Afrika vor allem für Ehefrauen, deren Männer untreu sind.“ 

An anderer Stelle heißt es: „Die Zeiten, in denen man Menschen verdammt, nur weil sie selbständig denken, sollten in unserer Kirche endgültig vorbei sein.“ Wusste der AIDS-Aktivist bereits damals, was auf ihn zukommen würde? Am 19. November 2007 erhielt Pfarrer Stefan Hippler von der Deutschen Bischofskonferenz ein unbefristetes Redeverbot. Sämtliche Lesereisen und TV Auftritte mussten daraufhin abgesagt werden. 

Und dennoch ist Pfarrer Hippler überzeugt: „Unsere Kirche hat 1,2 Milliarden Mitglieder. Sie ist die stärkste Religionsgemeinschaft der Welt. Sie kann als größte globale Institution wie keine andere gegen die HIV/AIDS-Pandemie kämpfen. Sie könnte es, wenn sie nur wollte.“

 

Buchtipp: Gott – AIDS – Afrika / Bartholomäus Grill & Stefan Hippler / Verlag Kiepenheuer & Witsch / ISBN 978-3-462-03925-2

 

Weitere Informationen über die Organisation via Let’s help oder direkt unter:

HOPE Cape Town

Adresse: P.O. Box 19145, Tygerberg 7505, Cape Town, South Africa

Kontakt: Fr. Stefan Hippler

Telefon: +27 21 423 21 88

e-Mail: admin@hopecapetown.com 

Website: www.hopecapetown.com